Vor 100 Jahren wurde Losheim Teil des Kreisgebietes

Um 12 Uhr am 1. Oktober 1921 wurde Losheim mit Losheimergraben und Kehr offiziell wieder eine Gemeinde des damaligen Reiches und erstmalig eine Gemeinde des Schleidener Kreisgebietes.

Dabei war das Dorf in der Eifel, auch auf Grund seiner Lage an der Verbindungstraße Aachen – Trier und dem Bahnanschluss in Losheimergraben, sowohl auf deutscher wie auf belgischer Seite sehr begehrt. Diese Streitigkeiten sind nach 100 Jahren beigelegt und nachbarschaftliches Miteinander prägt das Zusammenleben der beiden heutigen Grenzkommunen Hellenthal und Büllingen.

Gerade in Losheim wird das Miteinander, ganz im europäischen Sinne, ganz praktisch durch die Feuerwehr umgesetzt. Es finden nicht nur Übungen mit den belgischen Einsatzkräften statt, die Losheimer Feuerwehr ist auf Grund ihrer örtlichen Nähe zu den belgischen Nachbarkommunen mit als Erste vor Ort bei einem Ernstfall auf belgischem Gebiet. Und die Freundschaft geht über den Ort Losheim hinaus. Nach der Flutkatastrophe im Juli 2021, die die Gemeinde Hellenthal in der Tallage stark getroffen hat, waren es die belgischen Freunde, die sofort zur Stelle waren und tatkräftig mit angepackt haben. Auch viele Spenden aus der belgischen Bevölkerung sind in Hellenthal angekommen.

Das diesjährige Jahrbuch des Kreises Euskirchen, das aufgrund der Flutvorkommnisse im Juli 2021 erst Anfang Dezember 2021 erscheinen wird, widmet sein Schwerpunktthema in diesem Jahr den unterschiedlichen Grenzziehungen im Kreis Euskirchen. Dieser wird selbst 2022 50 Jahre alt. Ein Zeitpunkt, um nicht nur auf die Geschichte der Kommunalen Neugliederung zu schauen, sondern die wechselhafte Geschichte seit Einführung der Territorialstaaten vor rund 200 Jahren zu betrachten. Denn als nicht mehr die Anzahl der Menschen Grundlage der Macht der Herrschenden darstellte, sondern das zur Herrschaft zugehörige Gebiet wurden die Grenzen an sich wichtig. Oftmals trennten sie Menschen, die vorher verbunden waren. Wie die Losheimer nach dem ersten und zweiten Weltkrieg von ihren deutschen Nachbarn. Allein die wechselvolle Geschichte der deutsch-belgischen Grenze im Kreis Euskirchen wird in vier Beiträgen betrachtet werden.

Losheim, Losheimergraben und Kehr waren seit 1816 Teil der Bürgermeisterei Manderfeld im Kreis Malmedy gewesen. Der Preußische König war damals recht stolz auf seine „französisch sprechenden“ Kreise Eupen und Malmedy in seinem Königreich. Mit dem Versailler Vertrag wurden beide Kreise dem Königreich Belgien zugeschlagen, eine Option der Bevölkerung auf Mitbestimmung zwar aufgeführt aber längst nicht so detailreich festgelegt wie für die Volksabstimmung in Oberschlesien. Letztendlich sollten Eupen und Malmedy aber bei Belgien verbleiben, aber die genaue Grenzziehung, die die sog. „Grenzkommissionen“ vornahmen, führten zu Diskussionen über die Zukunft Losheims und der beiden anderen Dörfer. Die alliierten Vertreter in der Kommission konnten die Gründe Deutschlands für den Verbleib Losheims nachvollziehen, sollen sogar eine „Volksabstimmung“ in Losheim angeregt haben, die den beiden Losheimer Organisatoren einige Tage belgische Haft einbrachten. Jedoch konnten diese damit der Kommission den überwiegenden Wunsch der Einwohner, in Deutschland zu verbleiben, anhand einer Unterschriftenliste dokumentieren. Die Bürger Losheims gingen sogar noch weiter und wandten sich mit ihrem Anliegen an den belgischen König, den amerikanischen Präsidenten und den Papst in Rom. Dies ist heute gut in den Akten des Auswärtigen Amts nachlesbar.

Am 01. Oktober 1921 wurde Losheim mit einer kleinen Feier offiziell ins Kreisgebiet aufgenommen. Vertreter der Behörden, wie Landrat Graf Spee für den Kreis Schleiden, Bürgermeister Hendrich aus Udenbreth, Regierungsrat Stäglich vom Auswärtigen Amt oder deutsche Vertreter in der Grenzkommission Heimann, begrüßten die Einwohner Losheims vor Ort. Vier Tage später trafen die Herren sich nochmals und regelten die Organisation der neuen Gemeinde. Auf Grund der Abgeschiedenheit wurde Losheim mit Losheimergraben und Kehr nicht nur zu einer eigenen Gemeinde unter dem Ortsvorsteher Matthias Scholzen sondern wurde auch eigener Standesamtsbezirk mit dem damaligen Postmeister Heinen als Standesbeamten. Eine Volksschule war bereits vorhanden, die Kapellengemeinde sollte zur eigenen Pfarrgemeinde erhoben werden.