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Das neue Jahrbuch: Ein grenzenloser Lesegenuss

Druckfrisch erschienen: Das Jahrbuch 2022 des Kreises Euskirchen überschreitet Grenzen. Es ist ab sofort für 7.50 im Buchhandel erhältlich.

Es war eine Jahrbuch-Vorstellung der besonderen Art, und dass gleich aus zwei Gründen: Zum einen war es eine Premiere für den Euskirchener Landrat Markus Ramers, der das Buch erstmals in seiner noch kurzen Amtszeit persönlich präsentieren konnte. Zum anderen fand die Vorstellung erstmals in der knapp 70-jährigen Geschichte des Jahrbuches im Ausland statt, „auch wenn es nur wenige Meter sind“, wie Landrat Ramers schmunzelnd ergänzte. Treffpunkt war diesmal das Hotel Schröder am Losheimergraben, direkt an der Grenze im Königreich Belgien. „Damit würdigen wir die freundschaftliche und vorbildliche Partnerschaft, die hier tagtäglich gelebt wird“, so Ramers dankbar in Richtung der beiden Bürgermeister Rudolf Westerburg (Hellenthal) und Friedhelm Wirtz (Büllingen).

Die Grenze zwischen Belgien und Deutschland ist heutzutage kein trennender Faktor mehr. Im Gegenteil: Die Menschen diesseits und jenseits der Staatsgrenze haben intensiven Kontakt und pflegen einen Austausch. Fast könnte man sagen: Die Grenze existiert nur noch auf dem Papier, aber nicht mehr in den Köpfen der Menschen. Aber das war nicht immer so, vielmehr ist es die große Ausnahme, wenn man in die Historie der vergangenen Jahrhunderte zurückschaut. Und genau das war auch der Grund, aus dem das Redaktionsteam des Jahrbuches unter der Leitung von Kreisarchivarin Heike Pütz das Schwerpunktthema des Buches diesmal auf „Grenzen ändern sich – Menschen bleiben“ gesetzt hat.

In einem Bogen über fast 250 Jahre, von den Territorien am Vorabend der Französischen Revolution über die Episoden in der französischen Zeit unter Napoleon bis zur britischen Besatzung nach dem 1. Weltkrieg: Der Kreis Euskirchen und seine Vorgänger wurde immer wieder im Verlauf der Geschichte neu geformt. Dem Hin und Her an der deutsch-belgischen Grenze, den Schwierigkeiten im Zusammenleben und dem späteren Zusammenwachsen im europäischen Sinne widmen sich allein fünf Beiträge: Klaus-Dieter Klauser, Vorsitzender des Geschichtsvereins zwischen Venn und Schneifel, fasste das Geschehen um die ehemals preußischen Kreise Eupen und Malmedy nach dem ersten Weltkrieg zusammen. Mit Hilfe von Unterlagen des Auswärtigen Amts und des Bundesarchivs sowie des Kreisarchivs rekonstruierte Heike Pütz das Jahr 1921 in der Gemeinde Losheim, die zum 1. Oktober 1921 Teil des damaligen Kreises Schleiden wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg entbrannte der Streit um Losheim zwischen Deutschland und Belgien erneut, diesem Geschehen widmete sich Michael Heinzel. Und Bernd Kehren interviewte die beiden Bürgermeister der Grenzgemeinden Büllingen und Hellenthal: Im Austausch über gemeinsame Erinnerungen alter Grenzerfahrungen mit Zoll und Kontrolle bis zur heutigen freundschaftlichen Zusammenarbeit entstand die Idee, die Jahrbuchvorstellung auch an die Grenze zu holen – ein Angebot, das der Kreis Euskirchen gerne und dankbar angenommen hat. Abschließend berichtet Monika Schlösser von einer aufregenden Fahrt zweier Rentnerinnen hin und her über die deutsch-belgische Grenze.

Bei der Jahrbuch-Vorstellung am Losheimergraben ließen die beiden Bürgermeister Westerburg und Wirtz die vergangenen Jahrzehnte kurz Revue passieren. Beide sind „Grenzkinder“ und haben dementsprechend in jungen Jahren so manch kurioses Erlebnis im Grenzland erlebt. So berichtete Friedhelm Wirtz von seinem vorigen beruflichen Leben beim Zoll, als er am Losheimergraben den Grenzbetrieb hautnah miterlebt hat, „ein Hickhack sondergleichen“, wie er heute rückblickend sagt. „Warum hat das damals alles so sein müssen?“ Dagegen sei ihm die heutige, sehr enge und vertrauensvoller Zusammenarbeit „mit meinem Freund Rudi“ sehr ans Herz gewachsen – eine Einschätzung, die Rudolf Westerburg zu 100 Prozent teilt. Auch er berichtete von Kindheitserlebnissen, als Kaffee und Zigaretten noch wertvolle Schmuggelgüter waren, als sich die Vereine regelmäßig zu Dorffesten und Feierlichkeiten trafen und über die Grenze hinweg viele Freundschaften und Ehen entstanden. „Mit diesen Geschichten könnte man ganze Bücher füllen,“ meinte er.

Sein ausdrücklicher Dank galt bei dieser Gelegenheit den belgischen Freunden aus der Gemeinde Büllingen, die in der Flutkatastrophe u. a. rund 70.000 Euro für die Hellenthaler Nachbarn gesammelt und gespendet haben und auch mit viel „Manpower“ bei den Aufräumarbeiten geholfen haben.

Apropos Flut: Dass das Jahrbuch erst Anfang Dezember vorgestellt werden konnte, lag an den fortdauernden Einschränkungen rund um die Corona-Pandemie und an der Flutkatastrophe des Sommers. Beide Themen finden sich auch im Buch wider, u. a. mit beeindruckenden Fotostrecken, die die Schreckensnacht der Flut und das Ausmaß der Zerstörungen nochmals lebendig vor Augen führen. Die Aufarbeitung dieser Katastrophe wird das Jahrbuch nicht nur im nächsten Jahr, sondern sicherlich auch in den folgenden Jahren begleiten.

Auch abseits des Top-Themas „Grenzen ändern sich“ verspricht das Jahrbuch ein grenzenloses Lesevergnügen. Historisches, Menschen, Panorama, die Chroniken und natürlich die beliebte Mundart-Geschichte, für die auch in diesem Jahr wieder Fritz Könn verantwortlich zeichnet („Eefel – Harz – Eefel: Ongerwähs op Landkaat onn Fohrwerk“). Ein kleines Jubiläum der besonderen Art feierte Hans-Dieter Arntz: sein erster Beitrag im Kreisjahrbuch über die Elementarschulen in Euskirchen erschien bereits vor fünfzig Jahren im Jahrbuch 1972.

Landrat Ramers: „Ein gutes Stück Heimat – randvoll mit tollen Geschichten aus dem Kreis Euskirchen und darüber hinaus!“ Sein Dank galt den Autoren, dem Redaktionsteam und dem Weiss-Verlag aus Monschau. Das 240 Seiten umfassende, vollfarbige Buch ist ab sofort für 7,50 im örtlichen Buchhandel erhältlich.