Geschichte

Vor- und Frühgeschichte

Ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit (4500-1700 v. Chr.) gibt den ersten Hinweis über den Aufenthalt von Menschen in unserer Gegend in vorgeschichtlicher Zeit (Fundort: Büschem bei Reifferscheid). Der Fund ist noch kein Beweis, dass unsere Heimat zu diesem Zeitpunkt schon besiedelt war; der Besitzer des Steinbeils mag das Gerät bei einem zufälligen Aufenthalt verloren haben.
Mit der Eroberung der Gebiete westlich des Rheins durch Julius Cäsar (58 - 51 v. Chr.) nimmt die eigentliche Besiedelungsgeschichte ihren Anfang. Auf der Suche nach Bodenschätzen drang die römische Armee in das Innere der Eifel vor. So bezeugen Funde von Keramik und Eisenschlacken bei Hönningen und Wollenberg frühzeitliche Wohnanlagen und Eisenverhüttung im 3. und 4. Jahrhundert nach Chr. Schließlich geben Brandgräber bei Giescheid (1. - 3. Jahrhundert) und Hellenthal (2. Jahrhundert) Kunde von möglichen Siedlungsplätzen. Wir dürfen allerdings nicht verkennen, dass der größte Teil unserer heutigen Gemeinde in römischer Zeit unbesiedeltes Waldland war. Zur Zeit der Franken, die das Erbe der Römer um die Mitte des 5. Jahrhunderts antrafen, ist eine Kontinuität der Besiedelung nicht feststellbar.

Entstehung der Grundherrschaften

Unsere Heimat tritt erstmals wieder in das Licht der Geschichte, als Sibodo, ein Vorfahre der Grafen von Are, um 920 auf den Höhen Steinfelds eine Kirche errichtete. Sie ist der Kern des Allodium Steinfeld, eines Eigenbesitzes des Bischofs Udo von Toul aus der Familie der Grafen von Are, den dieser (1069) dem Kloster St. Salvator in der Vorstadt von Toul schenkt.

Das "Allodium" umfasst in dieser Zeit das Kirchspiel Steinfeld mit den späteren Herrschaften Reifferscheid, Wildenburg, Schleiden, Steinfeld; möglicherweise dehnte es sich bis Udenbreth in der späteren Herrschaft Kronenburg aus. Nach dem Tode des Bischofs Udo von Toul geht die Schenkung zurück an seine Erben, die Grafen von Are und Heinrich von Limburg. Sie teilen das Allodium, wobei Limburg das Gebiet der Herrschaft Reifferscheid erhält. Die Herren von Reifferscheid, eine jüngere Linie der zu Herzögen aufgestiegenen Limburger Grafen, werden erstmals Ende des 12. Jahrhunderts im Besitze Reifferscheids genannt, das zu diesem Zeitpunkt noch das Gebiet der späteren Herrschaften Reifferscheid und Wildenburg umfasst. Die Brüder Gerhard und Philipp teilen um 1195 das Land. Gerhard behält Reifferscheid mit der Repräsentation beim Reich und dem Hochgericht für beide Herrschaften. Philipp bekommt Wildenburg, das aus einem östlichen Teil um die Burg auf dem "wilden Berg" und einem westlichen um die frühmittelalterliche Wehranlage auf dem "Burgkopp" bei Giescheid besteht. So ergibt es sich, dass der größte Teil des heutigen Gemeindegebietes Bestandteil der Herrschaften Reifferscheid und Wildenburg bildete, und zwar bis zu deren Untergang zu der Zeit der französischen Besetzung (1794). Im übrigen griff die Herrschaft Schleiden über in das heutige Gemeindegebiet, in dem man sich mit Reifferscheid u.a. die Orte Hellenthal und Blumenthal teilte. Kronenburg behauptete sich im Besitz Udenbreths und des Bereichs um Schnorrenberg- Dalmerscheid, während Losheim als Bestandteil des ehemaligen Königshofes Manderfeld zur Herrschaft Schönberg ressortierte, die sich 1374 in den Schutz der Trierer Erzbischöfe begab.
Die heutige Gemeinde Hellenthal war also ein vielgeteiltes Gebiet mit insgesamt fünf Landeshoheiten, ein Umstand, der mehr als einmal Anlass zu heftigen Fehden der Landesherren gab.

Streit, Krieg, Brände

Bekannt ist vor allem ein Streit zwischen Graf Werner von Salm-Reifferscheid und dem Inhaber der Herrschaft Wildenburg, Marsilius von Pallandt, um die hohe Gerichtsbarkeit im Lande Wildenburg. In deren Verlauf ließ der Wildenburger Ende Januar 1628 zunächst drei und sodann am 17. Februar 1628 nochmals fünf der Zauberei beschuldigte Personen zum Tode verurteilen und hinrichten. Insgesamt sind in dieser schlimmen Zeit in Wildenburg 16 angebliche "Hexen" zu Tode gekommen.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. und 18. Jahrhunderts versetz ten auch unser Land in Angst und Schrecken. In der Herrschaft Kronenburg ging die Bevölkerung im 30jährigen Krieg um die Hälfte zurück. Große Teile der Burg und des Oberdorfes Reifferscheid vernichtete am 23. Juni 1669 ein Brand, den die Unvorsichtigkeit eines Soldaten auslöste. Schließlich zerstörten französische Truppen am 14. September 1689 die Mauern der "Burg und Stadt" Reifferscheid.
Zweimal, in den Jahren 1728 und 1733, wurde Hellenthal von Bränden hart getroffen, wobei 24 bzw. 20 Häuser abbrannten. Am 20. Januar 1756 vernichtete ein großer Brand zu Blumenthal 35 Häuser.

Bedeutung der Eisenindustrie

“Onfern von der Graveschaft Manderscheit in den Herrschaften Keila, Kronenburg und Sleida, im Thal Hellenthal macht man fürbündig gut schmiedeysen" berichtet Sebastian Münster um die Mitte des 16. Jahrhunderts in seiner Kosmographie. Rasen- und Brauneisenstein, der in der näheren Umgebung reichlich lagert, die umfangreichen Wälder für die Erzeugung der Holzkohle und die Wasserkraft der Olef bildeten die Grundlage für die Eisenindustrie des Schleidener Tales, die einst Weltgeltung besaß. Die Rechnung des Schleidener Wehrmeisters von 1438 nennt schon die drei Eisenhütten bzw. Hämmer zu Blumenthal, Kirschseiffen und Hellenthal, die vornehmlich Stabeisen herstellten.
Ihre Blüte erlebten die Hütten und Hämmer, auch Reidtwerke genannt, im 16. Jahrhundert, um nach kurzem Wiederaufleben während der französischen Kontinentalsperre schließlich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts doch der Standortungunst zu erliegen.

Französische Besetzung - Übergang an Preußen

Mit dem Einmarsch französischer Truppen im Herbst 1794 wurden die mittelalterlichen Territorialherrschaften hinweggefegt. Das Land erhielt eine neue verwaltungsmäßige Gliederung, die der französischen zentralistischen Ordnung folgt. Reifferscheid, Kronenburg und Schleiden wurden Kantonshauptorte, denen Mairien (Bürgermeistereien) unterstellt waren.
Preußen, das unser Gebiet im Jahre 1819 nach einer kurzen Episode unter der Herrschaft von Mecklenburg-Strelitz übernahm, behielt die einmal getroffene Verwaltungseinteilung weitgehend bei: Hellenthal, Hollerath und Udenbreth bildeten je eine Bürgermeisterei im Kreis Blankenheim, der zunächst mit dem Kreis Gemünd vereinigt und, nachdem die Verwaltung 1829 nach Schleiden verlegt wurde, fortan den Namen "Kreis Schleiden" führte.

Neuzeit

In den 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts erhielt unsere Gemeinde die ersten "Kunststraßen", die die Industriellen des Tales noch einmal hoffen ließen, den Anschluss an die Entwicklung im übrigen Land zu finden. Der Bau der Eisenbahn jedoch, den man sich so sehnlich erhoffte, verzögerte sich bis 1884, als die Bahnlinie Kall-Hellenthal ihrer Bestimmung übergeben wurde. Sie kam zu spät, um der schon daniederliegenden Eisenindustrie neue Impulse zu geben.
Der Erste Weltkrieg forderte große Opfer von unserer Bevölkerung. Die Jahre des wirtschaftlichen Stillstandes danach hinterließen ihre Spuren. Im Zweiten Weltkrieg lag unser Land vom Herbst 1944 bis Frühjahr 1945 in der Hauptkampflinie. Die Zerstörung an privaten und öffentlichen Gebäuden und an kulturellen Werten sind nicht zu messen. Kaum eine Familie blieb von Leid und Not verschont.
Zäher Wille zum Wiederaufbau und die Hoffnung auf bessere Zeiten prägten die Nachkriegsjahre. Unsere Dörfer erstanden schöner als zuvor. Auf dem Boden der Eisenindustrie breiteten sich Fertigungsbetriebe der Stahl-, Edelstahl- und Kunststoffverarbeitung aus, die der Gemeinde den Namen eines Industriestandortes einbrachten. Zugleich erfuhr der Fremdenverkehr jene Förderung, die unsere Gemeinde zum Anziehungspunkt für Sommer- und Wintererholung macht. Die kommunale Neugliederung der Jahre 1969-1972 ließ schließlich die bisher im Amte verbundenen Gemeinden Hellenthal, Hollerath, Udenbreth und Losheim unter Einschluss des sog. Ländchens zur "neuen" Gemeinde Hellenthal zusammenfinden.

Quelle:
Walter Hanf